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Schreibaby-Erfahrungen: Die ersten 6 Monate waren die Hölle

Geschrieben von Julia Schmidt

Du suchst Tipps von Eltern, die Erfahrungen mit einem Schreibaby haben? Dein Baby weint, schreit und lässt sich kaum beruhigen, stundenlang, tagelang, wochenlang? Du fragst dich, ob du selbst ein Schreibaby hast oder ab wann es anfängt? Das Baby einer Freundin schreit, schreit und schreit, und du kannst nicht verstehen, warum sie es nicht beruhigen kann?

In diesem Gastartikel möchte Claudia berichten, erklären, beruhigen und Verständnis schaffen für das schwierige Thema Schreibaby.

Schreibaby Erfahrungen

Achtung, dieser Bericht von Claudia über ihre Schreibaby-Erfahrungen ist nichts für schwache Nerven:

Claudias Schreibaby-Erfahrungen

Ich fand den Begriff „Schreibaby“ schon immer blöd. Babys schreien nicht einfach so. Das sind Menschen, die ihre Bedürfnisse ausdrücken. Wenn ein Baby schreit, dann hat das einen Grund. Das glaube ich nach neun Monaten intensivem Zuhören immer noch.

Doch das bedeutet leider nicht, dass man den Grund immer finden oder gar beheben könnte.

Mein Baby hat geschrien.

Viele Stunden, Tage, Wochen, Monate.

In den letzten Tagen bin ich im Netz auf einige Schreibaby-Erfahrungsberichte von Mamas gestoßen, die ihre ersten Monate mit Baby beschreiben. Ich war mehrfach zu Tränen gerührt und erstaunt, wie sehr mir ihre Ehrlichkeit half, meine eigene Zeit mit meinem Sohn zu verarbeiten. Ich spüre immer noch meine Kehle eng werden, wenn ich daran zurückdenke. Ihre Schilderungen geben mir den Mut, meine eigenen Erfahrungen mit einem sogenannten Schreibaby zu teilen.

Lange Zeit hatte ich nicht die Kraft, meine Erfahrungen aufzuarbeiten und zu teilen – besonders weil die meisten Menschen nichts darüber hören wollen. Nicht, weil es ihnen egal wäre, sondern weil es anscheinend in der menschlichen Natur liegt, Babys nur als die wundervollste Schöpfung sehen zu wollen, die sie natürlich auch sind. Alles, was dem widerspricht, geht einfach verloren. Zum einen Ohr rein, zum anderen raus.

Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich Erlebnisse mit meinem Kind schönrede. Wie ich als gute Mutter dastehen will, die alles unter Kontrolle hat. Wie ich zwar sage, es sei anstrengend, aber dann immer etwas Positives hinterherschiebe, um nicht als „Jammertante“ dazustehen. Und selbst wenn ich viel jammere (fragt meine Mama-Freundinnen – ich bin immer die, die jammert ;-)), bin ich nie ganz ehrlich.

Ich hoffe, anderen Eltern mit diesem Bericht über meine Erfahrungen mit einem Schreibaby helfen zu können. So wie mir die schonungslose Ehrlichkeit anderer Mütter geholfen hat. (Wer sich vor Körperflüssigkeiten ekelt, sollte vielleicht nicht weiterlesen.)

Mein „Schreibaby“ wird geboren

Nach einer entspannten und schönen Schwangerschaft, zwei Tage nach dem errechneten Termin, setzen die Wehen ein. Plötzlich alle drei Minuten, ein Schwall Fruchtwasser durchnässt die neue Couch, ich höre es aufs Laminat platschen.

„Ihr Baby liegt noch viel zu weit oben – bei Blasensprung unbedingt liegend transportieren!“, hatten mir Hebamme und Ärztin am Morgen noch gesagt. Die zwei Rettungssanitäter sind überfordert. Ein zweiter Rettungswagen und die Feuerwehr werden geholt.

Zehn Mann in unserem Wohn-Schlaf-Arbeitszimmer, ich werde herausgetragen. Mir ist es so egal, mit welchen peinlichen Lauten ich unseren Hausflur beschalle. Alles geht sehr schnell. Auch für das CTG bleibt keine Zeit, ich komme direkt in den Kreißsaal. Schließlich schafft es meine Beleghebamme gerade noch, den kleinen Mann in Empfang zu nehmen. Zwei Stunden nach dem Blasensprung auf der Couch halte ich ein süßes 4,5-kg-Bündel in den Armen. Mein kleines Wunder ist da!

Aber warum kann ich meine Augen kaum offen halten? Ich bin so müde. Mir ist übel. Alles dreht sich. Ich habe Durst. So viel Blut. Eigentlich wollte ich direkt wieder nach Hause. Doch meine Hebamme entscheidet, dass wir bleiben sollten – zum Glück wenigstens im Familienzimmer. Meine Hebamme hilft mir auf die Toilette. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich musste. Mir fallen die Augen zu.

Das erste Mal Stillen – und Schreien

Die Hebamme nimmt meine Brust und steckt sie Jaron in den Mund. Wir werden ins Zimmer geschoben. Ich stille. Jaron schreit. Mir fallen wieder die Augen zu. Jaron schreit. Ich halte ihn. Jaron schreit. Erik trägt ihn durchs Zimmer. Jaron schreit. Als ich aufstehen will, landet ein Schwall Blut auf dem Boden. Auch das Bett ist rot. Also hilft mir Erik ins Badezimmer. Ich desinfiziere alles, wie die Schwester es mir gezeigt hat. Dann legen wir unseren Sohn zwischen uns. Ich stille. Jaron schreit.

Und schon beginnen unsere Zweifel: Warum wird er nicht satt? Sollten wir zufüttern? Vielleicht geht es ihm dann besser. Natürlich bekommen wir Rat: „Das ist ein großer Junge. Der hat Hunger. Immer wieder anlegen, damit die Milchproduktion angeregt wird!“ Also stille ich ihn oft. Zwischendurch trägt Erik ihn. Jaron schreit. Da meine Brustwarzen wund sind, bekomme ich auf Anfrage eine Salbe. Auch als die erste durchschriene Nacht geschafft ist, kann ich noch nicht allein aufstehen. Ein Schwall Blut, mir ist schwindelig. Ich liege im Dämmerzustand im Bett.

Ständig kommen Ärzte, Schwestern, Auszubildende, Studenten. So viele Menschen sehen meine Brüste. Egal. „Mein Baby, was soll ich nur machen?“ Ich stille. Jaron schreit. Die Ärztin meint, dass Jaron auf dem einen Ohr nicht richtig höre. Wir müssten nach der Entlassung zu einem Spezialisten von ihrer Liste. Zum Glück regelt Erik das alles.

Ich bin schwach

So viele Glückwünsche: Ich verstehe nur Bruchstücke, nicke und lächle. Mir fallen die Augen zu. Erik kümmert sich um alles. Unterschriften müssen gegeben werden, Windeln gewechselt, Verträge abgeschlossen, Geburtsurkunden beantragt. Jaron liegt auf meiner Brust. Er schläft! Er ist so schön. Erik legt ihn in das Babybett. Und holt uns etwas zu essen. Ich esse im Liegen, Sitzen geht noch nicht. Dort liegt er, das kleine große Wunder. So ganz fassen kann ich es noch nicht.

...

Ich will meinem Baby auch mal die Windel wechseln. Erik stützt mich auf dem Weg zum Wickeltisch und zeigt mir alles. Mein Kreislauf streikt, mir wird weiß vor Augen (warum sagen alle immer schwarz?). Erik hilft mir ins Bett. Ich hasse es, nichts tun zu können. Ich habe ständig Durst und der Wasserhahn ist so weit weg. Mehr Schmerzmittel. Schwestern wechseln meine Bettwäsche.

...

Wir bleiben noch eine Nacht. Am zweiten Tag nach der Entbindung wird das Patientendoppelzimmer, das wir großzügigerweise als Familienzimmer bekommen haben, gebraucht. Nachdem wir entlassen worden sind, waschen wir zu Hause die Fruchtwasser-Decken, wischen den Boden und bestellen uns etwas zu Essen. Jaron schläft und alles ist friedlich. Ich schaffe es, mit Mini-Schritten sogar selbst auf die Toilette. Und auch die Blutpfützen wegzuwischen. Haben wir wirklich ein Schreibaby? Und wann wird es besser? Wann hört das endlich auf?

Die Geschichte mit der Gelbsucht

Am nächsten Morgen müssen wir zur U2 zum Kinderarzt fahren. Dieser meint, Jarons Haut sei gelb, und schickt uns in die Bilirubin-Ambulanz. Jaron schläft fast ununterbrochen, trinkt kaum. Wo ist sein Hunger aus der ersten Nacht? Vom Arzt erfahren wir, dass das eine Nebenwirkung der Gelbsucht sein, da sie müde mache. Im Auto hänge ich schief auf einer Po-Backe, die geschwollene Naht erlaubt mir das Sitzen noch nicht. Und als ich mein schlafendes Baby im Maxi-Cosi betrachte, verstehe ich zum ersten Mal, was es heißt, sich um sein Kind Sorgen zu machen.

Einmal quer durch Berlin in der Bili-Ambulanz zeigt man sich erstaunt, warum wir da sind. Der Kinderarzt habe wohl noch nie ein gelbes Baby gesehen. Ich tipple zum stinkenden Klo, wechsle meine Wöchnerinnen-Einlagen, wische das Blut von der Toilettenbrille und sehe, wie meine Schuhe im Urin anderer stehen. Ich suche den Desinfektionsmittelspender – vergebens.

Ich gehe zurück zur Frühchen-Station, die gleichzeitig Bili-Ambulanz ist. Dort versichert man uns, dass alles okay sei. Es sei wichtig, dass Jaron viel trinkt. Alle zwei Stunden, mindestens alle drei, sollten wir ihn wecken. Immer wieder zum Trinken animieren. Immer wieder anlegen.

Ich mache mir weiter Sorgen. Jaron lässt sich nicht leicht wecken. Er muss doch trinken! Fußmassage, Kopf gegen den Strich streicheln, kalter Waschlappen … Wenn wir nur gewusst hätten, was für ein Luxus ein schlafendes Baby ist. Die Angst, Jaron würde zu wenig trinken, treibt an wie fünf Tassen Kaffee.

Das Stillen wird zur tickenden Zeitbombe

In seiner zweiten Lebenswoche geht es los. Milch im Überfluss und Jaron trinkt, trinkt, trinkt. 50 Minuten lang, alle zwei Stunden. In den 70 Minuten Pause, wenn er nicht an der Brust ist, verkrampft der kleine Körper, das Gesichtchen läuft rot an, er schreit. Und spuckt. So viel, dass ich mich frage, ob überhaupt noch etwas im Magen bleibt?

Liegen scheint für ihn eine Qual zu sein. Schon wenn er die Matratze berührt, verzerrt er das Gesicht, windet sich, überstreckt sich ins Hohlkreuz und schreit. Manchmal schläft er auf meiner Brust. Also sitze ich halb liegend mit meinem Baby auf dem Bauch, leicht seitlich, um den Druck vom schmerzenden Damm zu nehmen. So geht es Tag und Nacht.

Wenn ich nicht mehr sitzen kann, versucht Erik ihn in sein Bettchen zu legen. Jaron schreit bitterlich. Wir legen ihn zwischen uns. Jaron sucht meine Brust. Wir schaffen es im Liegen zu stillen. Der Schmerz beim Andocken lässt mich aufschreien, Erik schreckt aus seinem Minutenschlaf. Ich beiße die Zähne zusammen. Ich liege. Und Jaron ist ruhig. Was will ich mehr?

Alles von der Speisekarte streichen

Mir rutscht das Herz in die Hose, als ich Jarons blutverschmierten Body und Gesicht sehe. Warum blutet er? Ach so, ist nur meine Brustwarze. Bei genauerem Betrachten sehe ich, dass ein Stück fehlt. Tief durchatmen. Alles gut.

Die Hebamme guckt sich an, wie ich Jaron anlege, und meint, das sehe gut aus. Sie gibt mir Salbe und den Tipp, viel Luft ranzulassen. Wie oft ich ihn stille? „Na, wenn deine Brustwarzen das mitmachen! Brauchen tut er nur alle vier Stunden was!“ Aber er schreit ja immer. Dann hat er wohl Koliken. Sie sagt uns die Namen von zwei Medikamenten, die wir ausprobieren könnten. Und ich solle auf meine Ernährung achten. Keine Kuhmilch, keinen Kohl, keinen Knoblauch, keine Zwiebeln, keine Hülsenfrüchte – nichts, was blähen könnte.

Ich streiche alles von meinem Speiseplan und lebe gefühlt von Sojamilch und trockenem Brot. Jaron schreit und windet sich.

Schon wieder Hunger?

Jaron schreit. Er kann doch nicht schon wieder Hunger haben! Erik trägt ihn durch die Wohnung, immer gleichmäßig auf- und abschuckeln. Jaron scheint etwas einzudösen. Das Schreien wird zum leisen Schluchzen und er wird ruhig. Endlich Erleichterung!

Meine Nerven liegen blank. Dieses Geschrei geht mir durch Mark und Bein. Erst als der schrille Ton nachgibt, merke ich, wie mein verkrampfter Körper langsam entspannt und ich erschöpft zusammensinke. Erik taumelt müde mit Baby auf dem Arm zum Bett und legt Jaron vorsichtig zwischen uns. Kaum die Matratze berührt, verzerrt sich das Gesichtchen aber wieder und er reißt den kleinen Mund auf, läuft dunkel an, windet sich und schreit. Selbst als Erik ihn wieder hochnimmt, kann unser Baby sich nicht mehr beruhigen. Jaron hört sich schon ganz heiser an. Verzweifelt gibt Erik ihn mir zum Stillen. Ich beiße die Zähne zusammen, halte die Luft an und der Schmerz treibt mir Tränen in die Augen.

Meine Erfahrung mit Schreibaby: Die Nächte sind pure Folter

Tagsüber kommen wir so über die Runden. Stillen. Tragen. Schuckeln. Stillen. Tragen. Schuckeln. Ich esse mein kaltes Mittagessen mit einer Hand stillend. Duschen wird ohnehin überbewertet.

Die Nächte fühlen sich wie Folter an. Ich bin so müde. Wenn Jaron nach stundenlangem Tragen und Stillen endlich eingeschlafen ist, wacht er nach 20 Minuten mit schrillem Geschrei wieder auf. Der Schmerz beim Stillen ist kaum zu ertragen. Aber wenigstens hört dann das Schreien auf. Ob man sich irgendwann daran gewöhnt? Ein Schreibaby, wann wird es besser?

Selbst Ohropax helfen nicht. Schon wenn ich sein Schreien nur leise höre, während Erik ihn trägt, ist mein ganzer Körper in Alarmbereitschaft. An Schlaf nicht zu denken. Wenn ich schlafe, dann im 45-Minuten-Takt halb sitzend mit Baby auf der Brust. Erik hat tiefe Augenringe. Als ich mich im Spiegel sehe, bekomme ich kurz einen Schreck. Mein Auge leuchtet immer noch blutrot von der beim Pressen geplatzten Ader.

Mit Schreibaby allein zu Hause

Nach zwei Wochen muss Erik wieder zur Arbeit. Ich habe schreckliche Angst, allein zu Hause zu sein. Wie soll ich das schaffen? Ich kann immer noch nicht auf die Toilette gehen, ohne danach Blutpfützen wegwischen zu müssen. Mich zu bücken ist schwierig, geschweige denn den mittlerweile 5-kg-Brocken hochzuheben.

Aber andere schaffen das auch – sogar noch mit einem zweiten oder dritten Kind. Dann kann ich das doch wohl auch?

Wenn ich an die ersten Wochen allein zu Hause denke, wird mir immer noch die Lunge eng. Es hat mir alles abverlangt – und mehr. Dabei hatte ich mich so auf die Elternzeit gefreut. Zu Hause sein – wie schön! Stattdessen wurde unsere kleine Wohnung zu meinem ganz persönlichen Folterraum.

Alltag mit Schreibaby: Sitzen ist keine Option

Der Tag beginnt meist hoffnungsvoll, denn nichts ist schlimmer als die Nächte. Tageslicht hilft, die Augen offen zu halten. Jaron schreit. Ich stille ihn und lege ihn kurz ab, um meine schon schmerzende Blase zu entleeren und meine offene Wunde an der Brust zu verarzten. Der Urin brennt auf der Dammnarbe. Schnell noch das Blut von den Fliesen wischen. Jaron schreit. Ich habe schrecklichen Durst und mein Magen knurrt. Die Windel ist voll. Ich stürze ein Glas Wasser hinunter und trage ihn zum Wickeltisch. Liegen findet er gar nicht lustig.

Mit frischer Windel binde ich ihn ins Tragetuch. Jaron schreit. Ich wippe auf und ab. Auf und ab. Bei jedem Schritt. Immer in Bewegung bleiben. Das Schreien wird mäßiger, als würden ihn die Kräfte langsam verlassen. Irgendwann erstickt das leise Schluchzen und es ist ruhig. Ich atme tief ein, tief aus. Und gehe in die Küche, lege eine Scheibe Käse auf ein Brötchen und setze mich hin.

Jaron fängt wieder an zu weinen, Sitzen ist keine Option. Immer in Bewegung bleiben. Ich stehe auf, wippe auf und ab und kaue, so schnell ich kann. In zehn Minuten ist meine 70-Minuten-„Stillpause“ vorbei, dann wird nichts mehr helfen außer stillen. Ich setze einen Stilltee auf und will mir die Zähne putzen. Doch Jaron lässt sich auch durch Bewegung nicht mehr ruhig halten. Er schreit, als würde er gefoltert. Also raus aus dem Tragetuch, schnell eine einigermaßen bequeme Stillposition finden, Zähne zusammenbeißen, anlegen. Stechende Schmerzen, aber Ruhe.

Mein Tee steht noch in der Küche. Ich habe Durst. Und die Zähne habe ich immer noch nicht geputzt. Ich hätte die Einlagen noch mal wechseln müssen, jetzt ist meine Hose blutig. Das schwere Tragen und Auf-und-Ab-Wippen hilft der Rückbildung leider gar nicht. Nach 45 Minuten docke ich Jaron ab, ich kann nicht mehr. Ich habe solchen Durst und muss meinen Damm verarzten. Jaron schreit. Bevor ich ihn in die Bäuerchen-Position bringen kann, durchnässt ein Schwall halb verdaute Milch nicht nur meinen Pullover, sondern auch Jarons Body, Hose und Socken.

Ich lege ihn kurz ab, um mir meinen kalten Tee zu holen. Jaron schreit. Tief einatmen, ausatmen. Alles wird gut. Du schaffst das. Ich wasche mich notdürftig und nehme neue Einlagen. Die Hose muss erst mal noch gehen, zum Wäschewaschen bin ich seit Tagen nicht gekommen. Ich streife ein trockenes T-Shirt über und hole mein bitterlich weinendes Baby zum Umziehen. Umziehen mag kein Baby, meines auch nicht. Jaron spuckt immer noch. Das hört bis zum nächsten Stillen erfahrungsgemäß auch nicht auf.

Ich ziehe ihm ein Lätzchen über den Body, das geht leichter zu wechseln. In wenigen Minuten ist es durchgeweicht, also wieder runter damit. Ich stülpe ein trockenes Lätzchen über das kleine Köpfchen. Das riecht schon säuerlich. Ich muss wirklich Wäsche waschen. Schon ist die Windel wieder voll. Ich wechsele sie und binde Jaron ins Tragetuch – allein fürs Wickeln und Tuchbinden benötige ich kostbare 20 Minuten meiner 70-Minuten-Stillpause.

Es ist so schön ruhig

Mit Jaron im Tuch versuche ich, unsere Wäscheberge aus vollgespuckter Kleidung und milchgetränkten Mullwindeln zu sortieren. Keine Chance – ich schaffe es einfach nicht, mich so weit zu bücken. Egal. Meine Aufgabe ist mein Baby. Von ein bisschen Kotze und Blut ist noch niemand gestorben. Jaron döst ein, während ich auf und ab wippe. Ich schaffe es, ein bisschen unsortierte Wäsche in die Maschine zu stopfen und stelle ein verträgliches Standardprogramm ein.

Es ist so schön ruhig. Ich höre Jaron im Tuch schnarchen und ich glaube, es gibt kein schöneres Geräusch. Aus Angst, ihn zu wecken, will ich mich nicht hinsetzen. Aber mein Rücken und Unterbauch schmerzen so sehr, lange kann ich nicht mehr stehen. Ich setze mich in unseren Ikea-Sessel und wippe weiter leicht vor und zurück. Es funktioniert! Jaron schnarcht. Mir fallen die Augen zu.

Ohne Vorwarnung fängt Jaron an zu schreien. Ich stehe auf und laufe wippend umher. Ich singe. Rede beruhigend auf ihn ein. Streiche über seinen Rücken. Küsse sein Köpfchen. Es ist, als wäre er in seiner eigenen Welt, als würde er mich gar nicht wahrnehmen. Ich öffne das Tuch, lege uns auf die Couch und lege ihn an. Mir schießen Schmerztränen in die Augen, während ich versuche, weiter zu atmen. Jaron trinkt. Und stöhnt dabei erleichtert. Doch er verschluckt sich oft, lässt immer wieder los und saugt neu an.

F***, tut das weh!

Da die Milch zu schnell für ihn läuft, lege ich ihn auf mich und stille entgegen der Schwerkraft. Trotzdem ist es mehr ein sportlicher Kampf als eine besinnliche Zeit: Wir nennen ihn liebevoll unseren „Kampftrinker“. Ich streiche vorher etwas Milch aus, er rutscht trotzdem immer wieder ab. Aua! Mein T-Shirt und die Bettwäsche sind milchgetränkt.

Wann ist mein Baby satt? Wenn es loslässt. Aber mein Baby lässt nicht los. Jaron würde wahrscheinlich 24 Stunden an meiner Brust hängen, wenn ich ihn lassen würde. Aber ich kann nicht mehr. Nach 50 Minuten löse ich den Saugschluss und gehe meine wieder offenen Brustwarzen verarzten. Der Schorf hat sich beim Stillen gelöst. Ich habe Hunger und Durst und würde so gern duschen.

Noch drei Stunden, bis Erik wiederkommt. Ich finde, ich schlage mich gut. Ich bin ein bisschen stolz auf mich.

Ich kann nicht mehr!

Nach weiteren zwei Wochen mit derselben Stillroutine und sitzendem Schlaf im 45-Minuten-Takt, haben der Schlafmangel und das dauernde Geschrei meine Nerven bis zur Wurzel freigelegt. Ich kann nicht mehr.

Manchmal weiß ich nicht mehr, ob ich schlafe oder wach bin. Ob mein Baby wirklich schreit oder ich es nur träume. Die ganze Realität ist irgendwie schwammig. Wie lange schreit er schon? Wie lange habe ich geschlafen? Erik musste irgendwann wieder in unser Hochbett ziehen, damit er wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommt. Ich verbringe die Nächte weiter mit Jaron auf unserer Couch, ins Hochbett kann ich ihn nicht mehr tragen.

Die Hebamme hat sich bereits verabschiedet. Wir bräuchten sie nun nicht mehr. Jaron sei gesund, nimmt gut zu und auch sonst machen wir alles super. Speikinder seien Gedeihkinder. Sie lässt mir noch ein Töpfchen Brustwarzensalbe da und nennt uns ein weiteres Medikament für Jaron, das wir ausprobieren können. Ansonsten helfe nur abwarten, Koliken seien nach drei Monaten vorbei.

Der Kinderarzt bescheinigt Jaron nach einmal Hochheben und Testen verschiedener Reflexe die beste Gesundheit. Er ist so schnell aus dem Behandlungszimmer verschwunden, dass ich gar keine Chance habe, etwas zu fragen.

Das Baby ist gesund

Nun gut. Wenn alle mir immer wieder sagen, mein Kind sei gesund, dann ist das wohl so. Ich denke: „Du wolltest doch nie so eine Glucken-Mutter werden, also reiß dich zusammen. Es ist doch alles gut.“ Mein Baby ist gesund. Das rede ich mir immer wieder ein. Und teile die guten Neuigkeiten direkt in unserer Whats-App-Gruppe mit allen Verwandten. Jaron wächst und gedeiht, es geht ihm gut.

Zu Hause übernimmt immer mehr die Verzweiflung die Macht. Jaron liegt friedlich neben mir und schaut erstaunt in mein Gesicht, als mir die Tränen unkontrolliert die Wangen herunterlaufen. Ich kann nicht mehr. Noch eine Stunde, bis Erik wiederkommt. Eine Stunde, um mich zu fangen.

Reiß dich zusammen verdammt! Diese seltene Ruhe musst du genießen!

Die Tränen laufen weiter. Ich kann den Wickeltisch nur schwer erkennen. Ich säubere den kleinen Po und schaffe es, die Trauer herunterzuschlucken. Es ist alles gut. Uns geht es gut. Ich höre Eriks Schlüssel in der Tür und kann mein Schluchzen nicht mehr halten.

Die Wut kommt: Bin ich gut genug für mein Schreibaby?

Ich trage Jaron im Arm und schuckle ihn auf und ab, auf und ab. Meine Arme sind verkrampft, der Rücken schmerzt. Jaron schreit. Und schreit. Und schreit. „JA, MAMA HAT AUCH HUNGER“, keife ich zurück und schuckle ihn einmal energisch – vor Schreck verstummt er für zwei Sekunden.

Meine Wut macht mir Angst. Mir steigen die Tränen in die Augen. Ich lege das brüllende Bündel ins Bettchen und gehe in die Küche, um mich zu fangen. Verzweiflung und Trauer ersetzen die Wut, Tränen laufen. Ich gehe zurück und schließe Jaron fest in meine Arme, küsse sein Köpfchen und schluchze: „Es tut mir leid. Ich liebe dich. Es tut mir so leid.“

Wir weinen zusammen, er laut, ich leise.

Manchmal verfällt er beim Stillen auf wundersame Weise in einen erschöpften Tiefschlaf. Dann halte ich ihn im Arm und beobachte sein Mimikspiel. Als würde er den ganzen Tag im Traum verarbeiten. Er weint auch im Schlaf und schluchzt manchmal laut auf. Doch manchmal macht er auch Nuckelbewegungen und lächelt. Mein Sohn kann Lächeln! Stolz und Freude und eine tiefe Ergriffenheit überkommen mich. Ich schaffe es sogar, den Moment zu filmen und in unserer Gruppe zu posten.

Doch der kurze Glücksmoment hält nie lange an. Es ist 11 Uhr. Ich habe seit gestern Abend nichts mehr gegessen. Jaron schreit. Mir ist übel vor Hunger und Durst und ich wanke etwas beim Aufstehen. Es hilft nichts – ich muss jetzt was zu essen machen. Jaron brüllt. Ich wippe ihn auf dem Arm und gehe in die Küche. Das dreckige Geschirr stapelt sich über der vollen Spülmaschine. Ich suche etwas Essbares, hole mit einer Hand ein Fertiggericht aus dem Gefrierfach und schütte es in die Pfanne. Jaron brüllt.

Ich wippe durch die Küche und versuche regelmäßig zu atmen, vor allem um mich selbst zu beruhigen. Denn ich merke langsam, wie die Wut in mir hochkocht, gleich kann ich mich nicht mehr kontrollieren. Ich denke: „Nicht schütteln. Nicht schütteln. Nicht schütteln.“ Ich trete gegen den Küchentisch, presse ein „Aaaaaarrrrgh“ heraus und wanke etwas zurück. Nicht hinfallen. Vorsicht, heiße Pfanne.

Ich setze mich auf die Couch und lege Jaron an. F***, dieser Schmerz. Jaron ist so aufgelöst, er braucht ein paar Minuten, bis er ohne Schluchzen trinken kann. Ich atme tief ein, tief aus. Mein Baby hat mehr verdient als mich. Mir schießen die Tränen in die Augen.

Ich esse mit einer Hand, die andere hält verkrampft das Baby. Ich habe Durst.

Tagein, tagaus eingesperrt

Ich muss raus aus dieser Wohnung. Es macht mich wahnsinnig, tagein, tagaus eingesperrt zu sein. Wir beschließen an einem Samstag zu einem Adventskonzert unserer Gemeinde zu gehen. Jaron ist jetzt 4 Wochen alt.

4 Wochen habe ich die Wohnung kaum verlassen – ich schaffe es in den kurzen Stillpausen einfach nicht, die Windel zu wechseln, Jaron anzuziehen, den Kinderwagen rauszutragen, mich selbst anzuziehen und loszugehen, um pünktlich wieder zu Hause zu sein, wenn Jaron gestillt werden will und schreit. Die Erinnerung, allein mein schreiendes Baby durch unsere Straße zu schieben und bei Minusgraden nichts tun zu können als weiterzuschieben, steckt zu tief und macht mir Angst.

Nun aber freue ich mich riesig darauf, mein Baby präsentieren zu können. Ich stille, schnell neue Windel, Wickeltasche packen, Kinderwagen raustragen, Jaron dick einpacken. Als wir den Kinderwagen durch die frische Dezemberluft schieben, Jarons Weinen verstummt und er einschläft, bin ich so dankbar. Angekommen, schreit Jaron. Hunger! Ich setze mich auf einen harten Küchenstuhl in eine kleine freie Ecke hinter der Küchentür. Ich versuche das Stillhütchen aufzulegen, bevor ich Jaron andocke. Es fällt runter. Egal, Zähne zusammenbeißen. Ständig kommen Menschen rein, raus, lautes Gelächter, fröhliche Gespräche. Ein Büfett wird vorbereitet.

Und diese Frau. Sie ist so begeistert von uns und redet ununterbrochen auf mich ein. Sie habe selbst vier Kinder großgezogen und wie toll das alles sei. Ich will sie anschreien, dass sie mich doch bitte in Ruhe stillen lassen soll. Die gesamten 45 Minuten Stillen redet sie weiter. Jaron dockt ständig ab, saugt wieder an, der Schmerz ist irgendwie erträglich. Wahrscheinlich Adrenalin. Jarons Windel ist voll. Wir wickeln ihn zwischen schaulustigen Menschen auf einer Couch – selbst schuld, ich wollte doch mein Baby präsentieren. Natürlich bin ich total gestresst.

Ich merke, wie ich wieder anfange zu bluten, und gehe auf die Toilette, um meine Einlagen zu wechseln. Jaron weint. Ich binde ihn ins Tuch und setze seinen Gehörschutz auf. Er döst ein. Ich versuche mich hinzusetzen, aber irgendwie ist das Tuch zu hoch gebunden – ich finde keine aushaltbare Position. Ich will nur wieder nach Hause. Wir öffnen das Tuch und Erik bindet Jaron ein. Er schläft.

Das Konzert geht los. Es ist doch alles gut. Wirklich schöne Musik. Doch mir graut es davor, wenn ich wieder stillen muss. Noch 30 Minuten. Das will ich auf keinen Fall ein zweites Mal hier zwischen den ganzen Menschen tun. Nach vier Liedern gehen wir nach Hause. Ich bin vollkommen erschöpft.

Mein Körper kann nicht mehr

Am nächsten Morgen, die Nacht habe ich im Halb-Sitzen durchgestillt, ist mir so übel, dass ich Angst habe, mich im Bett zu übergeben. Ich will aufstehen, aber mein Körper reagiert nicht. Mir fallen die Augen immer wieder zu. Ich versuche mich hinzusetzen, sehe Sterne und sinke zurück ins Kissen. Krämpfe im Unterbauch. Erik bringt mir einen Eimer. Allein der Gedanke an Essen lässt mich würgen. Habe ich was Falsches gegessen? Oder Magen-Darm-Virus? Der geht ja grad rum.

Jaron weint. Und verweigert zum ersten Mal in seinem Leben die Brust. Ich kriege Panik und rufe meine Hebamme an, die mir sagt, dass Jaron wohl merkt, wie schlecht es mir geht, und deswegen nicht trinken will. Ich solle ein paar Paracetamol nehmen und zusehen, dass es mir schnell besser geht. Viel trinken.

Ich nehme Paracetamol und einen Krampflöser und zwinge mich, zwei Scheiben Zwieback herunterzuwürgen. Zwei Stunden später trinkt Jaron wieder, aber mein Körper streikt. Ich kann nicht aufstehen. Nicht essen. Mir ist so übel. Erik reicht mir eine Tasse mit Kamillentee und ich nehme ein paar Schlucke. Ich bin so hilflos, vollkommen ausgeliefert. Ich hasse es. Meine Mutter am Telefon stellt fest, dass es nichts mit Magen-Darm zu tun hat. Ich habe mich tatsächlich noch nicht übergeben. Ich war noch gar nicht auf der Toilette heute.

Alle Systeme heruntergefahren. Es ist einfach Erschöpfung.

Erik bindet das weinende Baby ins Tuch und gibt mir Ohropax. Er stellt sich vor den PC, macht sich ein YouTube-Video an und wippt auf und ab. Ich schlafe. Zwei ganze Stunden. Dann bringt Erik mir Jaron zum Stillen. Ich schaffe es, drei weitere Scheiben Zwieback zu essen. Und das gleiche noch mal. Ich schlafe das erste Mal seit Wochen Stunden am Stück. Und trotzdem streikt mein Körper. Ich kann immer noch nicht aufstehen.

Morgen ist Montag. Ich habe die irrationale Angst, mein weinendes Baby am anderen Ende des Raumes sterben sehen zu müssen, weil ich nicht zu ihm komme.

Endlich nicht mehr allein zu Hause, meine Schreibaby-Erfahrungen teilen

Die nächsten Tage stelle ich sicher, dass ich nicht allein zu Hause bin. Einen Tag bleibt Erik zu Hause. Dann kommt meine Schwester. Dann holt mein Vater Jaron und mich nach Hause. Bei meinen Eltern fängt mein Körper langsam wieder an zu funktionieren. Ich gebe Jaron so oft wie möglich ab. Morgens um 7 Uhr löse ich den Saugschluss, wechsle die Windel und bringe Jaron zu meinen Eltern.

Zwei Stunden Schlaf. Was für ein Luxus.

Meine Mutter geht mit mir zu einer Stillberaterin, die eine Soor-Infektion in meiner Brust feststellt. Nach jedem Stillen einsalben, Jarons Mund und meine Brust. (Fast schmerzfrei stillen kann ich erst, als Jaron zehn Wochen alt ist.)

Ab ins Krankenhaus mit meinem Schreibaby

Weihnachten tut uns allen sehr gut. Jaron genießt den Trubel und scheint von seinen Problemen, welche das genau auch immer sein mögen, abgelenkt. Er schreit kaum, wenn er von vielen Menschen umgeben ist. Er wird ständig getragen, betütert, gestreichelt – so viele Hände, die sich um ihn kümmern. Menschen, die mit ihm spazieren gehen. Und ich kann schlafen.

Ich sehe, wie niemand verstehen kann, warum ich so fertig bin. Das ist doch ein liebes Kind. So friedlich. Ich bin dankbar, dass Erik versteht. Und dass meine Verwandten ihren kleinen Engel ahnungslos betütern können.

Die Silvesternacht schreit Jaron bitterlich, fast ununterbrochen. Einzig beim Stillen dämmert er vor sich hin und schluchzt nur ab und zu. Also stille ich die ganze Nacht. Jaron hat Blut in der Windel. Wir rufen einen Kinderarzt an, schicken ein Bild. Ein wenig frisches Blut. Erst mal beobachten. Am nächsten Morgen sieht Erik eine Beule in Jarons Leistengegend. Die Verzweiflung der durchschrienen Nacht bricht in Tränen und Schluchzen aus mir heraus. Mein Baby hat schreckliche Schmerzen. Er tut mir so leid, ich kann nichts tun. Er schreit.

Bereitschaftskinderarzt, Notaufnahme, Kindernotaufnahme, Kinderchirurgie, Neugeborenenstation. Adrenalin pumpt durch meine Adern und hilft mir auch die dritte Nacht wach zu bleiben. In der Nacht nach Jarons beidseitiger Leistenhernien-OP bin ich so erschöpft, dass ich Angst habe, ihn fallen zu lassen. Ich bitte die Schwester, ihn zu halten.

Die Kinderärztin im Krankenhaus stellt fest, dass Jaron seinen Kopf nicht zur linken Seite dreht. Sein Köpfchen ist auf der rechten Seite bereits platt gelegen und schief. Sie empfiehlt Physiotherapie.

Orthopädie, Physiotherapie und Co.: blockierte Wirbel?

Unser Kinderarzt zu Hause drückt bei der Nachuntersuchung Jarons Kopf einmal mit der flachen Hand auf die Unterlage und sagt „Da ist nichts blockiert. Physiotherapie brauchen Sie nicht. Das können Sie auch mit ihm zu Hause machen. Immer wieder Anreize von der linken Seite geben.“

Zu Hause suche ich einen neuen Kinderarzt, belese mich und mache einen Termin bei einer auf Babys und Kinder spezialisierten Orthopädin. Wir bekommen einen Termin direkt in der folgenden Woche.

Ich höre es knacken, als sie Jarons blockierten Halswirbel löst. Diese eine Behandlung reiche meist bei so jungen Babys aus. Jaron ist jetzt neun Wochen alt. Auf der Heimfahrt schläft er so tief wie zuletzt in seinen ersten Lebenstagen.

Jaron braucht ein paar Wochen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Doch bald schreit er nicht mehr so unvorhersehbar. Das Schreien beschränkt sich nun auf die Zeit vor dem Schlafen, wenn er müde ist und einfach nicht zur Ruhe kommt. Es sind immer noch mehrere Stunden am Tag, die er schreit. Kein Einschlafen ohne Schreien. Doch jetzt können wir es zeitlich einordnen und uns darauf einstellen.

Schreibaby, wann wird es besser? Langsam und Schritt für Schritt!

Bis Jaron ca. sechs Monate alt ist, kommen wir noch viele Male an unsere Grenzen. Das Gitterbett wird getreten, Kissen werden gegen die Wand geworfen. Wir lösen uns ab, sobald der eine zu wütend wird. Einmal muss ich Jaron schreien lassen, als ich allein zu Hause bin. Danach nehme ich ihn in den Arm, entschuldige mich und wir weinen gemeinsam. Aber zu wissen, dass es jetzt „nur“ ein Schlafproblem ist und Jaron keine körperlichen Schmerzen hat, macht es erträglicher.

Ich lese diverse Ratgeber und wir probieren alles, was wir mit unserer Liebe zu unserem Sohn vereinbaren können. Bis heute schläft er nur in Bewegung (Federwiege oder Kinderwagen) oder an der Brust. Tagsüber 40 Minuten am Stück, nachts manchmal 3 Stunden, meistens nur 90 Minuten. Aber seit er ca. sechs Monate alt ist, kann er mit diesen zwei Methoden ohne Weinen einschlafen.

Nach einem halben Jahr ist das Geschrei dann zu Ende. Und ich habe angefangen, mein Leben als (müde) Mama zu genießen. Jaron liegt in seiner Entwicklung etwas hinter den anderen Babys – mit neun Monaten sitzt oder krabbelt er noch nicht. Er liegt und rollt. Aber wer seine ersten Lebensmonate mit Schreien verbringt, hat wenig Zeit, sich selbst und die Welt zu erkunden.

Er ist sehr anhänglich, fordert das Stillen noch stark ein und weint, sobald ich den Raum verlasse. Trotzdem machen wir uns keinen Stress. Nein, wir gehen nicht zur Physiotherapie. Vielleicht würde er dann früher anfangen zu krabbeln – keine Ahnung. Statt uns beide aber unter Druck zu setzen, liege ich lieber friedlich im Bett, stille und kuschle mit meinem plappernden Baby.

Jaron ist ein glückliches Baby. Er strahlt und lacht viel. Er liebt es, zu kuscheln, toben und zu kommunizieren. Und manchmal kann ich mein Glück kaum fassen.

Update: Ende gut, alles gut

Jaron ist jetzt 17 Monate alt und macht seinem Namen alle Ehre (Jaron = er wird glücklich sein, vor Freude singen). Er geht bereits einige Stunden am Tag in die Kita und seine Spitznamen dort sind „Grinsebacke“ und „Strahlemann“. Für uns ist es so offensichtlich, dass sein Schreien damals (ja – für uns fühlt es sich schon an wie „damals“ 🙂 ) rein gar nichts mit seinem Charakter zu tun hatte. Er strahlt alle Menschen an, auf dem Spielplatz, in der U-Bahn, beim Spazierengehen. Und kaum jemand, der ihn sieht, kann sich ein Lächeln verkneifen.

Er ist sehr verkuschelt, sucht viel Körpernähe, liebt es zu toben, durchgekitzelt zu werden und danach zusammen auf der Couch zu verschnaufen, eng zusammengekuschelt.

Außerdem ist er aufgeschlossen und freut sich, neue Menschen kennenzulernen. Die Eingewöhnung in der Kita hat darum auch nur 2,5 Wochen gedauert. Dann war er so vertraut mit den Erziehern, dass er ständig in ihrem Arm oder auf ihrem Schoß zu finden war. Wie ein Wunder hat selbst der Mittagsschlaf auf Anhieb geklappt. Und er liebt es, mit den anderen Kindern zu spielen.

Das Schlafen bereitete uns lange Zeit noch Probleme, sodass ich nach 12 Monaten abgestillt habe. Leider war das Abstillen sehr schmerzhaft für uns beide. Die drei durchgeschrienen Nächte liegen mir immer noch schwer im Magen, das hätte ich gern anders gemacht. Aber nach einem Jahr nachts dauerstillen war ich einfach am Ende. Ich wollte und konnte nicht mehr. Und Jaron ließ sich ohne Stillen einfach nicht beruhigen, nicht im Familienbett, durch Singen, Tragen, nichts …

Nachdem ich abgestillt hatte, ließ sich Jaron einige Monate (!) nicht von mir ins Bett bringen. Er kam nicht zur Ruhe, wenn ich in der Nähe war, und hatte schreckliche Verlustängste. Wenn ich ihn ins Bett gebracht hatte, konnte er nur einschlafen, wenn er auf mindestens einem meiner Körperteile so lag, dass ich auf keinen Fall gehen konnte. Wenn sein Papa ihn ins Bett brachte, hat es zwar auch einige Zeit gedauert, aber so gut wie nie Tränen gekostet.

Er liebt seine Milch immer noch. Als er ca. eine Woche nach dem Abstillen das Fläschchen akzeptiert hat, war das für uns ein richtiger Durchbruch. Eigentlich wollte ich damit nicht mehr anfangen, aber Jaron braucht das Nuckeln und Trinken einfach noch. Jetzt tapst er abends im Schlafanzug in die Küche und kontrolliert, ob wir ihm auch wirklich sein geliebtes Fläschchen ordentlich machen. Dann läuft er ganz aufgeregt in sein Zimmer, setzt sich auf Papas Schoß und jauchzt vor Freude über die anstehende Milchmahlzeit.

Manchmal schläft er ohne Probleme 12 Stunden am Stück. Doch sobald es irgendeine Veränderung gibt (Kita, Zahnen, Krankheit, Ortswechsel …), wacht er einmal oder mehrfach auf. Ja, wir hatten auch in seinem zweiten Lebensjahr noch Nächte, in denen er jede halbe Stunde unsere Aufmerksamkeit brauchte. Aber das sind Ausnahmen. Das Schlafen wird wohl immer etwas umkämpft sein bei Jaron. Da kommt er nach seiner Mama: Die wollte als Baby auch nicht schlafen und konnte selbst im Studium vor Prüfungen kein Auge zu tun.

Heute kann ich ganz uneingeschränkt sagen: Jaron ist ein wundervoll fröhliches Kind. Manchmal rede ich mir ein, dass er allen Argwohn in seinen ersten Lebensmonaten herausgeschrien und jetzt einfach keinen mehr übrig hat. 😀

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