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Windelfrei und Abhaltestreik - Erfahrungsbericht Julia

Geschrieben von Julia Schmidt

windelfrei-ohne-windeln Auf die Idee, Windelfrei zu machen, bin ich schon vor meiner ersten Schwangerschaft gekommen. Es waren liebe Freunde, die mir das – genauso wie Hausgeburt – vorgelebt haben. Für mich stand außer Zweifel, dass ich mein(e) Kind(er) jemals absichtlich in die (Windel-)hose machen lasse, da es unnatürlich ist. Kein Tier trägt seine Ausscheidungen am Körper. Außerdem finde ich es widersprüchlich, dem Kind erst „anzuerziehen“, dass es in die Hose machen soll, nur um es ihm im Alter von 3 oder 4 Jahren, wenn die „Sauberkeitserziehung“ einsetzt, wieder abzugewöhnen. Bei meinem Sohn haben wir zwar vorgehabt Windelfrei ab Geburt zu machen, doch als er dann geboren war, wusste ich irgendwie nicht, wie ich die ganze Sache angehen soll. So haben wir die ersten Tage unsere ca 80 Mullwindeln alle 2 Tage gewaschen. Unser Sohn mochte es gar nicht, nass zu sein (Wer mag schon gern angepinkelt sein?) und schrie immer unmittelbar sobald die Mullwindel nass war. Ich wusste nicht, woran ich erkennen sollte dass er muss, um ihn rechtzeitig abzuhalten. So vergingen 12 Tage. Dann meinte mein Mann einfach:
So, wir machen das jetzt!
Er hat unsern Sohn geschnappt, übers Topferl gehalten und dieser hat prompt sowohl großes als auch kleines Geschäft hinein erledigt. Von da an haben wir einfach damit weitergemacht. Immer, wenn wir das Gefühl hatten, dass er muss, haben wir ihn abgehalten.

1. Merken, wann das Baby muss

Signale

Ich habe oft auf „Signale“ gewartet. Vergebens. Ein Kind ist kein Roboter. Diese Begriffe verwirren Eltern nur und schaffen rundum Unzufriedenheit: Ich war sauer auf das Kind, wenn es scheinbar widersprüchliche „Signale“ sendet. Ich wurde sauer auf mich selber, weil ich scheinbar zu blöd war um diese „Signale“ richtig zu deuten. Und am Ende zweifelte ich an der ganzen Windelfrei-Geschichte, ob das denn überhaupt „funktionieren“ könnte. Und warum es bei „allen“ anderen „funktionierte“, nur bei uns nicht. Ich habe lange gebraucht bis ich gemerkt habe, es geht nicht ums „Funktionieren“. Denn weder das Kind noch ich sind Maschinen, die funktionieren oder eben nicht. Wir sind beide Lebewesen: individuell und sind in ständiger Kommunikation. Auch bevor die Kinder sprechen können, kommuniziert man ja ständig mit seinem Kind. Man merkt ja auch ob es hungrig ist, müde, überreizt, Schmerzen hat... oder eben nicht, weil man sich auch mal unsicher ist. Genauso ist es, wenn ich merke, dass mein Kind muss. Oft liege ich richtig, aber immer wieder mal irre ich mich auch, oder erkenne es nicht rechtzeitig, wenn mein Kind z.B. raunzt, ich dieses Raunzen nicht richtig als „Ich muss mal“ interpretiere und dann hinterher merke, dass das Kind nass ist. Dann entschuldige ich mich dafür, sein Bedürfnis nicht erkannt zu haben und behebe das Malheur.

Timing und Intuition

Zum Timing kann ich sagen, dass es einige Fixpunkte gibt, wo das Abhalten so gut wie immer klappt: Morgens nach dem Aufwachen, nach dem Mittagsschlaf un nach ausgiebigem Stillen. Bei meinem Sohn war ich viel zu sehr auf diese verflixten Signale fixiert und bei meiner Tochter bin ich viel gelassener. Ich habe festgestellt, dass, wenn ich das Gefühl habe „ich glaube, sie muss“, ich sie auch abhalten gehen sollte, weil sie dann meist wirklich muss. Und wenn ich dieses Gefühl ignoriere („kann nicht sein, sie war ja erst“ oder „vielleicht mag sie grad einfach nur strampeln/ist aufgeregt/etc.“), dann geht’s meist in die Hose, weil das Gefühl selten trügt. Ich ertappe mich daher immer wieder mal dabei zu denken „ich glaub, sie muss“ – Nein, kann nicht sein. Aber ich geh lieber doch, weil woher kommt das Gefühl sonst? Und dann bin ich am Ende immer erstaunt, dass ich mich auf mein Gefühl meist verlassen kann. Also wenn ich schlaue Tipps geben kann, wie windelfrei „funktioniert“, dann das: Windelfrei funktioniert nicht, man tut es einfach! Weniger denken, mehr fühlen!

2. Die Windelfrei-Ausrüstung

Eigentlich braucht man ja nichts spezielles fürs Abhalten. Es geht ja darum, dass das Kind sich nicht absichtlich anmachen soll, wenn es doch von Anfang an in der Lage ist, seine Ausscheidungen zu kontrollieren. Warum sollte ich meinem Kind etwas abtrainieren, ihm beibringen, dass es in die Hose machen soll, nur um ihm in einigen Jahren wieder beizubringen, dass es doch bitte nicht in die Hose sondern ins Topferl/Klo machen soll?! Das finde ich doch ziemlich verquer! Und wenn ich mein Kind abhalten möchte, dann kann ich das tun, egal, welche Kleidung das Kind trägt. Erfahrungsgemäß bietet sich dazu jedoch an, das Kind nicht in zig Bodys, Strampler, Overalls und dergleichen zu kleiden. Denn wenn ich erstmal 5 Minuten brauche bis ich das Kind ausgezogen habe, dann hat sich dieses vermutlich erstens bereits angemacht und zweitens werde ich mir jedesmal dreimal überlegen, ob das Kind wirklich muss. Denn (siehe oben): „Das kann ja gar nicht sein, es war gerade erst!“ Wenn ich noch einen Tipp anbringen darf: Oh doch, das kann sein! Eine der größten Hürden beim Windelfreisein ist laut meinem Mann dieser blöde Gedanke im eigenen Kopf, der da sagt: „Das Kind KANN gar nicht müssen, es hat ja grad erst gepinkelt!“ Leute, verbannt diesen Gedanken! Auch wenn das Kind erst vor 2 Minuten gepinkelt hat, es KANN durchaus wieder müssen und es WIRD auch pinkeln. Genauso wie ein Kind mit nasser Hose/Stoffwindel, die ich gerade gewechselt habe, kurz darauf schon wieder nass sein kann! Das hat mir nie eingeleuchtet, bis mir Lini Lindmayer folgende Erklärung dafür gegeben hat: Schon Babys können nicht nur ihre Ausscheidungen kontrollieren, sie können das sogar so gut, dass sie, wenn sie eine volle Blase haben, gerade soviel pinkeln, dass der „Überdruck“ weg ist. Aber daher kurz daruf die Blase schon wieder so voll ist, dass sie nochmal müssen. Wir haben daher unsere Kinder immer dann, wenn die Stoffwindeleinlage schon nass war, trotzdem abgehalten und sehr oft ist dann auch noch sehr viel gepinkelt worden. Meine erste Ausstattung bestand aus unzähligen Mullwindeln (Meine Mutter hatte sehr, sehr viele davon aufgehoben, wir hatten über 80 Stück.), Überhosen, 5 kleinen Ecapants (Windelfrei-Trainerhosen) und Pocketwindeln. Alles eben vererbt bekommen oder Second Hand gekauft. Ebenso hatten wir von besagten Freunden ein Topferl bekommen. Spezielle Kleidung hatten wir keine, wir haben nur jegliche Einteiler gemieden, da sie zum Abhalten denkbar unpraktisch sind. Also haben wir nur Hosen, Leiberl und Pullover sowie Babystuplen verwendet. Ich selbst besitze ja viel zu viel an Stoffwindelkram, wenn ich es jetzt auf das für mich nötigste reduzieren würde, dann hier meine Liste:
  • Mehrteilige Kleidung – Leiberl, Pullis, Westen, Hosen, Socken
  • Babystulpen – Sie sind sehr praktisch, weil ich da das Kind mit nackigem Po oder mit Stoffwindel lassen kann, die Beine dennoch warm haben und ich das Kind aber schnell schnappen und abhalten kann.
  • Mullwindeln, Ikea-Waschlappen, alte Handtücher zerschneiden oder sonstige Stoffwindeleinlagen (Ich habe alte Popolini-Baumwolleinlagen und Little Lamb Bambuseinlagen) – Am praktischsten sind aber Mullwindeln und Ikea-Waschlappen, denn die trocknen in Windeseile. Baumwoll- und Bambuseinlagen sind mehrlagig und brauchen daher viel länger zum Trocknen. Wir nutzen keinen Trockner, weil es die Kleidung schon, weil es weniger Abrieb an den Fasern gibt, weil wir keinen Platz haben und weil Trockner viel Energie verbrauchen.
  • Überhosen – Bei Überhosen bevorzuge ich jene mit Klettverschluss, da sie schneller zu öffnen und schließen sind. Aber: Meine 7 Monate alte Tochter beginnt gerade den Klettverschluss aufzumachen, daher habe ich jetzt zusätzlich welche mit Druckknöpfen angeschafft. Bei Neugeborenen liebe ch die Imse Vimse Organic Überhosen mit Futter sodass kein PUL direkt auf die Haut kommt.
  • Moltonunterlagen mit Nässesperrschicht fürs Bett und alles andere, was nicht angepinkelt werden soll – Im Zweifel immer die größeren Unterlagen verwenden, weil das Kind sonst immer gerade dort liegt, wo die Unterlage gerade nicht liegt :D

3. Tiefs und Abhaltestreiks meistern

Ich habe bei meinem Sohn viel zu viel Back-Ups (Überhose mit Einlage) verwendet und eben viele Pannen gehabt. → Dadurch erst Recht Scheu gehabt ihn ohne Backups zu lassen. → Вadurch wieder mehr Pannen gehabt, weil die direkte Rückmeldung fehlte, denn mit Windel am Po merke ich erst viel später, dass mein Kind nass ist, als wenn es auch außen nass ist. → Dadurch wieder Stoffwindeln angezogen. Das ist die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt! ;-) Unsere lieben Freunde, Windelfrei-Vorleber und Topferl-Schenker hatten ein tolles erstes Windelfrei-Halbjahr und wir haben uns so dahingewurschtelt und gewaschen. Ich habe gezweifelt, warum es denn bei uns nicht „funktioniert“. Gut, das weiß ich ja jetzt:
Weil weder ich noch mein Kind Maschinen sind, wo man nur die richtigen Knopferl drücken muss. Wir Menschen sind halt „kompliziert“. Das ist aber vielleicht gar nicht so schlecht, sonst wär's ja ziemlich fad, oder?
Jedenfalls lief's bei ihnen super und bei uns lief's dem Kind an den Beinen runter. Und ich dachte mir: Naja, bisher war's eher, sagen wir, bescheiden, es wird schon besser werden. Mh, ja. Bevor Windelfrei besser werden kann, kann's aber noch gaaanz schlecht werden. Und Überraschung: Das wurde es auch!
Töpfchen Windelfrei Abhalten Zeitig krabbeln, laufen, kletter - Abhalten unmöglich ;-)
Unser Sohn konnte mit 6 Monaten krabbeln und mit 9,5 Monaten gehen. Da trauerte ich dann unseren "bescheidenen" Zeiten hinterher, denn von dem Zeitpunkt an ging hier gar nix mehr. Nein, halt, einer ging, nämlich unser Sohn! Er konnte gehen, stehen und war so glücklich über diese neugewonnene Freiheit, neue Perspektiven, dass er sich weder abhalten ließ, noch selbst auf den Topf sezten wollte. Er ging und stand und pinkelte sich einfach an. Und am frustrierendsten für mich war in dieser Zeit, dass ich so gut wie nie zuvor mit ihm verdrahtet war und genau gespürt hab, wann er musste! Ich konnte fast immer vorhersagen: „Er muss – Jetzt!“ und ihm dabei zusehen, wie er sich anpinkelt, weil er sich partout nicht helfen lassen wollte! Aaaahh… das war zum Aus-der-Haut-fahren! Diese Phase kann man auch unsere „WoW-Phase“ nennen, denn ich hatte die Qual der Wahl: Wickeln oder Wischen? Jeder „normale“ Mensch würde wohl wickeln, oder? Nun, ich habe diesem Kind 3 laaange Monate lang hinterhergewischt! Nein, ich bin nicht verrückt. Ich hatte meine Gründe. Das führt mich wieder zu unseren lieben Freunden. Immer noch dieselben. Nein, nicht weil ich sonst keine Freunde habe, sondern weil mich diese Freunde durch ihr Tun immer wieder motiviert haben, etwas zu tun oder in diesem Falle nicht zu tun, nämlich nicht zu wickeln! Nachdem ihr Sohn das Krabbeln begonnen hatte und ähnlich wie unser Sohn eine „sch****-drauf“ äh... Pinkel-drauf-Phase hatte, wo alles andere wichtiger, interessanter, toller, usw. war, als sich abhalten zu lassen, haben sie ihm Stoffwindeln verpasst. Ist ja auch normal oder? Hätte ich zu dem Zeitpunkt auch getan. Doch dann wurde es ihrem Sohn noch mehr egal und die arme Katze musste sich mal wieder in den Schwanz beißen. Denn durch die Stoffwindeln verloren die Eltern noch mehr den Draht zum Ausscheidungsbedürfnis ihres Kindes und irgendwann ging gar nichts mehr. Und weil die Stoffwindeln dann auch nimmer genug Kapazität hatten, haben sie das Kind dann noch bis zum Alter von 2,5 Jahren mit Wegwerfwindeln gewickelt. Hilfe, Wegwerfwindeln… das ist noch immer mein größter Graus! Ein Umweltdesaster, da kann ich das Geld ja direkt in die Mülltonne werfen, Chemie auf der Haut des Kindes. Jedenfalls: Nein! So ein Zeug kommt mir nicht ins Haus und schon gar nicht an den Popo. Ich hab bis heute für 2 Kinder keine einzige Wegwerfwindel weder gekauft noch verwendet und da halte ich eisern dran fest. Nun, ich wollte keinesfalls beim Wickeln „enden“ (Wie das klingt, aber ihr versteht mich doch?) und somit blieb mir nur mehr das Wischen. Selber Schuld, werdet ihr jetzt denken. Ja, war ich wohl auch, aber manchmal steht man sich halt selbst im Weg. Ich hab mir so gut wie jeden Tag geschworen:
Neeein, mir reicht's, er kriegt jetzt eine Stoffwindel um!
Stoffwindel aufs Kind. 5 Minuten später wieder runter. Nein, das geht gar nicht. Wo führt denn das nur hin? Und überhaupt der dicke Hintern, das Kind schaut ja so unproportioniert aus und kann sich ja gar nicht gescheit bewegen. Also nein, Stoffwindel wieder runter. Ich hab also drei Monate lang ein bisschen viel in mich hineingeflucht:
Ich sch**** auf das Windelfrei, das geht so nicht! Aber nein, es muss ja irgendwann wieder besser werden. Noch schlimmer geht’s ja eigentlich nimmer.
Das stimmte zur Abwechslung diesmal zum Glück. Ich habe also so sicher 10 Mal täglich dem Kind beim Anpinkeln zugesehen (Ich wusste ja besser Bescheid als je zuvor, wann ein Kind musste.). Das Kind ausgezogen, gewaschen und gewischt. Ein Teil von mir hat mir innerlich den Vogel gezeigt. Der andere Teil hat gemeint:
Das ist schon richtig so. Das Kind verlernt sonst den Bezug, weil die Windel das Pipi aufsaugt und es ja somit ruhig in die Hose machen kann. Es hat ja keine Konsequenzen.

4. Das Trockenwerden

So, Sohnemann war 13 Monate alt und von einem Tag auf den andern (kein Scherz!) ging es plötzlich, weil er wollte. Er ließ sich abhalten. Aber viel mehr: Er ging selbstständig aufs Topferl! Es gab plötzlich nur mehr eine nasse Unfall-Hose am Tag, weil's halt schon zu dringend war. Von da an ging ich mit ihm in Unterhosen (also schon mit langer Hose drüber, aber halt ohne Stoffwindel oder sonstiges Backup) außer Haus. Meine Wischerei hatte sich ausgezahlt! Einige Monate später war auch diese durchschnittlich eine nasse Hose am Tag Geschichte und mit ca 1,5 Jahren war mein Sohn das, was man gerne „trocken“ nennt – tagsüber. Aufs Topferl ist er dann schon selbstständig gegangen, aufs Klo erst gegen Ende des 3. Lebensjahres.

5. Windelfrei mit dem zweiten Kind

Auch mit meinem zweiten 7 Monate alten Kind mache ich wieder Windelfrei ;-) Unser Tagesablauf ist nicht immer gleich. Fixe Abhaltezeiten gibt es nur insofern, dass nach dem Aufwachen und nach ausgiebigem Stillen fast immer „erfolgreich“ abgehalten wird. Sonst eben nach Gefühl. Zurzeit sind, denken wir, die ersten Zähne im Anmarsch und es ist sehr häufig ein feuchter Pups bereits in der Hose, wenn wir merken, dass wir sie abhalten sollten. Und es gibt Momente, wo es ihr komplett egal ist, dass sie sich angemacht hat. Anders wieder kann sie manchmal sehr lange raunzen bis endlich jemand mit ihr abhalten geht, weil sie sich sichtlich nicht in die Hose machen möchte. Da hält sie dann sehr lange zurück und man merkt dann meist, dass es schon sehr dringend war, weil sobald die Hose/Windel unten ist, macht sie auch gleich. Am besten klappt es mit unserer Kommunikation an den Tagen wo ich sie an der Uni mit habe. Da bin ich einerseits bemüht, dass sie durch Weinen oder Raunzen nicht im Seminar stört und daher bekomme ich viel besser mit, was sie gerade braucht, als wenn ich zuhause zwischen Haushalt, Kochen, großem Bruder helfen und Aufräumen auch noch auf sie achten möchte. Da klappt es zeitweise eher bescheiden, weil ich oft denke „nur schnell das noch fertig machen“ anstatt, dass ich sofort mit ihr gehe, wenn sie raunzt. Da sie nun zu krabbeln beginnt, bemerken wir aber auch immer öfter, dass uns der Draht verloren geht, bzw. auch wenn wir das Gefühl haben, dass sie muss, sie sich nicht abhalten lassen will.

6. Lohnt sich Windelfrei?

Ich wurde oft gefragt, ob Windelfrei nicht mehr Arbeit macht. Bei meinem Sohn kann ich sagen, dass es im ersten Lebensjahr sicher mehr Aufwand war, als wenn wir ihn nur alle paar Stunden gewickelt hätten. Wobei ich nicht weiß, ob das soviel entspannter gewesen wäre bei einem Kind, das schreit und raunzt sobald was in der Windel ist. Doch danach war es viel, viel weniger „Aufwand“, da er mit 13 Monaten überwiegend aufs Topferl ging und nur mehr nachts Windeln trug. Die „Mehrarbeit“ im ersten Jahr hat sich definitiv gelohnt- wenn man es rein auf den Aufwand reduzieren will. Viel wichtiger finde ich, dass wir auf unsern Sohn eingegangen sind. Ebenso hatte er nie gerötete Haut, offene Stellen oder Windeldermatitis, wie ich von anderen Wickelkindern immer wieder gehört habe. Und ich habe meine Erwartungshaltung, dass es reibungslos funktionieren müsse, abgelegt. Kinder wachsen, lernen und entwickeln sich. Nichts „funktioniert“ von Anfang an, da alles ein Entwicklungsprozess ist. Ich sehe meine Aufgabe darin, sie dabei zu unterstützen. Das tue ich beim Essen lernen (Essen bereitstellen, saubermachen, Besteck bereit legen), Sprechen lernen (indem ich mit ihnen spreche), Gehen lernen (Ecken abpolstern ;-) und eben beim Ausscheiden (Abhalten, Topferl anbieten) usw. Ich finde es auch viel angenehmer, wenn man die Kleinen beim großen Geschäft abhält, anstatt nachher ein angekacktes Kind sauber machen zu müssen. Das geht einerseits viel schneller, andererseits ist es auch für die Kinder sicher angenehmer, wenn sie nicht jedes Mal in der vollen Windel sitzen müssen. Wobei ich zugeben muss, dass es bei unserer Tochter seit einiger Zeit sehr oft in die Windel geht, einfach weil wir es nicht merken um sie rechtzeitig abzuhalten. Aber auch das wird sicher wieder besser werden.

7. Meine 5 besten Windelfrei-Tipps

  1. Nicht überlegen, sondern einfach tun! Windelfrei versucht man nicht, man macht es einfach!
  2. Gelassen bleiben.
  3. Es ist kein Wettkampf „wer die wenigsten nassen Hosen“, das „am frühesten trockene Kind“, „die beste Windelfrei-Ausstattung“ hat.
  4. Sich nicht beirren lassen und keine Angst vor schiefen Blicken haben. Es ist nicht abnormal sein Kind abzuhalten! Ich finde es vielmehr befremdlich, das Kind in seinen Ausscheidungen liegen zu lassen, obwohl man es verhindern könnte.
  5. Keine Angst vor „der vielen Arbeit“ haben. Irgendwann muss jedes Kind anfangen aufs Klo zu gehen. Die Frage ist nur, ob wir es ihm von Anfang an ermöglichen oder ihm erst etwas anderes beibringen um es nachher umlernen zu lassen.
Liebe Grüße Julia Das war ein Gastbeitrag von Julia, die mit Windelfrei angefangen hat, als ihr Sohn 12 Tage alt war.

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Kommentare

1 Kommentare

  • Danke für diesen Erfahrungsbericht. Wir machen Teilzeitwindelfrei und momentan ist eine low Phase, wir haben mehr nasse Windeln denn je. Ich werde ab morgen mal ganz ohne machen, waschen muss ich ja sowieso. Ich hätte dazu nur eine Frage : Wie hast du das gemacht, wenn du woanders auf Besuch warst ?? Meine Mama wäre nicht so happy, wenn es auf die Couch ginge, unsere Freunde auch nicht…

    Gepostet von Julia | November 18, 2020
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