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Windelfrei für Spätstarter: Es ist nie zu spät

Geschrieben von Julia Schmidt

Manche nennen es zwar Windelfrei für Spätstarter, aber um mit Windelfrei zu beginnen, ist es nie zu spät. Für dasTöpfhenkennenlernen gilt: Ein erfolgreicher Start ohne Druck und Zwang ist in jedem Alter möglich. Von 0 bis 99 Jahren!

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Das Wohlfühl-Tempo für dich und dein Kind

Du kannst jederzeit mit dem Abhalten, der Kommunikation über die Ausscheidungen und dem Teilzeit- oder Vollzeit-Windelfrei-Training beginnen. Welchen Zeitpunkt du am besten wählst, um deinem Kind zum erste Mal Töpfchen und Toilette vorzustellen, hängt von eurer persönlichen Situation ab.

Auch in welcher Geschwindigkeit dein Baby die Windelfreiheit erreicht, ist nicht vorgeschrieben. Der Umfang der Töpfchenbesuche und wann du die Windeln schließlich (ganz) weglässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welche persönlichen Präferenzen in der Familie und der Betreuungseinrichtung auch herrschen mögen – achte bei eurem Weg zur Windelfreiheit darauf, dass du dein Baby sanft und liebevoll begleitest. Ihr wählt gemeinsam euer individuelles Wohlfühl-Tempo!

Die entspannte Anleitung, um langsam von den Windeln wegzukommen (auch schon im ersten Lebensjahr)

Anleitung Windelfrei für Spätstarter

Dein Baby ans Töpfchen heranführen

  1. Ziehe deinem Kind die Hose aus.
  2. Knöpfe den Body an der Seite zu (links oder rechts neben dem Bauch), sodass er nicht im Weg ist oder wechsle zu Unterhemden und Shirts.
  3. Überprüfe ob ein großes Geschäft in der Windel ist.
  4. Lege die Windel ab. Lasse dein Kind mithelfen.
  5. Setze dein Baby bequem aufs Töpfchen.
  6. Lächle und erzähle freudig, was du da gerade machst.
  7. Singe ein Lied, erzähle eine Geschichte, streichle seine Beinchen oder gebe deinem Baby ein Spielzeug.
  8. Sage dein verbales Schlüsselsignal und zeige das non-verbale Signal.
  9. Zwinge dein Kind nicht, sitzen zu bleiben. Wenn dein Kind aufstehen möchte oder wenn einige Minuten verstrichen sind, kannst du deinem Kind vom Töpfchen helfen und wieder anziehen.
  10. Freue dich mit deinem Kind, wenn etwas im Töpfchen landet.

Biete das Töpfchen täglich an, auch wenn dein Kind es am Anfang komisch findet. Es ist nicht schlimm, wenn nichts im Töpfchen landet. Das wichtige ist, dass dein Kind das Töpfchen kennenlernt. 😊😊 Probiere verschiedene Orte aus. Viele Kinder gehen besonders gerne draußen aufs Töpfchen oder machen die Pflanzen nass.

Weitere Töpfchenzeiten einbauen (Montessori-Style)

  1. Füge eine weitere Töpfchenzeit zu eurem Tagesablauf hinzu, sobald dein Baby das Töpfchen akzeptiert. Sehr beliebt sind zum Beispiel die Töpfchenzeiten nach dem Aufwachen, nach dem Mittagsschläfchen oder nach dem Essen. Dein Kind darf dein Angebot auch ablehnen. Wenn es aufstehen möchte, dann lasse es aufstehen.
  2. Plane weitere Töpfchenzeiten in euren Tagesablauf ein.
    „Es ist Zeit fürs Mittagessen. Wir gehen auf die Toilette, machen Pipi, waschen uns die Hände und dann können wir essen.“
    „Wir machen einen Mittagsschlaf. Wir gehen auf die Toilette, machen Pipi, waschen uns die Hände und dann lese ich eine Geschichte vor.“
  3. Lasse morgens oder nachmittags die Windeln weg und ziehe praktische Kleidung an, die deinem Kind Rückmeldung bietet. Nasse Hosen gehören zum Trockenwerden dazu. 😊😊
  4. Verlängere die Zeiten, in denen dein Kind ohne Windeln ist.
  5. Zweites Lebensjahr: Benutze tagsüber keine Wegwerfwindeln und keine dicken Stoffwindeln mehr. Unterwegs kannst du deinem Kind eine wasserdichte Überhose über die Unterwäsche ziehen.

Nach und nach wird dein Kind mehr Erfolg haben und immer länger trocken bleiben. Nach einiger Zeit kündigst du die Toilettenzeit an, dein Kind überprüft seine eigene Körperwahrnehmung und geht zur Toilette oder nicht. Schließlich erreicht dein Kind eine Phase, in welcher es die Signale seines Körpers bewusst wahrnimmt und in seinen Tagesablauf einplant, sodass es keine Erinnerung mehr braucht. Dann geht es einfach, wenn es mal muss. Dein Kind lernt mit diesem Vorgehen „ganz nebenbei“ das Töpfchen/Klo zu benutzen und wird irgendwann zwischen 14 und 18 Monaten trocken.



Wann beginnen andere Kulturen mit dem Windelfrei-Training?

Es ist ein Mythos, dass alle Eltern, die Kinder zur Ausscheidungsautonomie verhelfen wollen, sofort nach der Geburt auf die Windel verzichten oder mit dem Abhalten und Signalgeben beginnen. Stattdessen fangen viele Eltern, auch aus indigenen Völkern, erst nach einigen Wochen oder Monaten mit dem Windelfrei-Training an. Ingrid Bauer schreibt in ihrem Klassiker „Es geht auch ohne Windeln“, dass viele traditionelle Gesellschaften meist in den ersten sechs Monaten damit beginnen, „am häufigsten zwischen zwei Wochen und drei Monaten“ (Bauer 2001, S. 108). Wie die Liste unten zeigt, unterscheidet sich der Starttermin aber deutlich von Kultur zu Kultur.

Wann beginnen naturnahe Stämme und traditionelle Völker mit der Sauberkeitserziehung?

  • Mütter in traditionellen Dörfern Westafrikas und die Inuit im Nordwesten Kanadas halten ihr Baby sofort nach der Geburt über einem Gefäß ab.
  • Im Stamm der Digo in Ostafrika beginnt man, wenn das Baby zwei bis drei Wochen alt ist.
  • Mütter aus dem indischen Bundesstaat Sikkim starten mit etwa einem Monat.
  • In Neuguinea, verschiedenen Regionen Afrikas und Japans wird mit der Sauberkeitserziehung begonnen, wenn das Baby etwa drei Monate alt ist.
  • Viele traditionelle Völker, wie z. B. das Volk der Konuri (Afrika) oder das Volk der Hualcan aus Peru, fangen an, wenn das Kind feste Nahrung zu sich nehmen, selbstständig sitzen oder krabbeln kann.
  • Andere Völker beginnen mit dem Abhalten gegen Ende des ersten Lebensjahres und richten sich dabei auch nach Jahreszeit und Klima (vgl. Bauer 2001, S. 116).

Wann empfehlen westliche Kulturen, mit dem Töpfchentraining zu beginnen?

  • Einige Kinderärzte in Schweden empfehlen Eltern bei der Kindervorsorgeuntersuchung mit 10 Monaten, mit dem Töpfchen zu beginnen, bevor das Kind ein Jahr alt ist.
  • Die amerikanische Kinderärztin Jill M. Lekovic schreibt in ihrem Buch „Diaper free before 3“, wie man im Sitzalter das Töpfchen einführen kann, damit das Kind im Laufe des zweiten Lebensjahres trocken wird.
  • In vielen Montessori-Kinderhäusern zieht man den Kindern, sobald sie laufen können, dicke Trainerhöschen anstelle von Windeln an. Ein Großteil der Kinder ist dann mit eineinhalb Jahren zuverlässig trocken und weiß, wie man die Minitoiletten selbstständig benutzt.
  • Eine Studie empfiehlt, Sauberkeitserziehung vor 18 Monaten zu beginnen, um das Risiko für Probleme mit der Blasenkontrolle zu minimieren. (Bakker, E.; van Gool, J. D.; van Sprundel, M., van der Auwera, J. C.; Wyndaele, J. J. (2002): Results of a quaestionaire evaluating the effects of different methods of toilet training on achieving bladder control. British Journal of Urology, 90: 456–461.)
  • Viele Krippen in den neuen Bundesländern (Sachsen, Thüringen, ...) fangen im Laufe des dritten Lebensjahres an, den Krippenkindern Töpfchen und Mini-Toiletten zu zeigen. Meistens ist ein Wechsel in die Ü3-Kindergartengruppe erst möglich, wenn das Kind windelfrei und trocken ist, was fast alle Kinder vor ihrem dritten Geburtstag schaffen.
  • Einen ähnlichen Zeitraum nennt auch Jamie Glowacki in ihrem Buch „Oh Crap! Potty Training“. Sie empfiehlt, die Windeln im Alter zwischen 20 und 30 Monaten wegzulassen und mit dem Töpfchen zu beginnen.
  • Eine Studie belegt, dass spätes Trockenwerden Dranginkontinenz bei Kindern begünstigt. Die Autoren empfehlen deshalb, mit der Sauberkeitserziehung zu beginnen, bevor das Kind 32 Monate alt ist. (Barone, J. G.; Jasutkar, N.; Schneider, D. (2009): Later toilet training is associated with urge incontinence in children. Journal of Pediatric Urology, 5(6): 458–61.)
  • In den alten Bundesländern wird das Trockenwerden oft erst nach dem Wechsel in die Ü3-Kindergartengruppe angegangen. Die meisten Kinder lernen dann im ersten halben Jahr nach ihrem dritten Geburtstag gemeinsam mit den Erzieherinnen die Toilette zu benutzen.
  • In vielen Preschools in den USA verschiebt sich der Zeitpunkt des Trockenwerdens zunehmend weiter nach hinten. Trotzdem verfolgen sie alle das Ziel, dass die Kinder vor der Einschulung mit 5 Jahren die Toilette benutzen können und keine Windeln mehr benötigen.

Bedürfnisorientiert zu mehr Autonomie

Natürlich hat ein drei Wochen altes Neugeborenes andere Bedürfnisse, Gewohnheiten und Fähigkeiten als ein kommunikativer Zweijähriger, der wiederum andere Vorlieben hat als ein willensstarker Vierjähriger. Aber alle drei können Töpfchen und Toilette kennenlernen, um Windeln nur noch als Back-up und nicht mehr als tragbare Toilette zu benutzen. Sie alle können eine Zunahme an Autonomie erleben, indem wir ihnen sanft, liebevoll und gelassen helfen, ihr kleines und großes Geschäft außerhalb der Windel zu verrichten. Dafür ist es nie zu spät!

In diesem Blogartikel findest du wertvolle Tipps, um dein Kind ans Töpfchen zu gewöhnen.

Das Thema Windelfrei und liebevoll begleitete Sauberkeitserziehung wirft für mich auch die Frage nach einem würdevollen Umgang mit dem Älterwerden auf: Wie wollen wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen, die sich selbst nicht (mehr) helfen können und pflegerische Unterstützung benötigen? Was wünsche ich mir selbst, wenn ich irgendwann Hilfe brauche?

Du findest das vielleicht komisch, aber ich finde der Vergleich ist angebracht!

Windelfrei für Spätstarter, sehr, sehr, sehr spät

Sowohl ein Unfall als auch eine Operation können es notwendig machen, seine eigenen Toilettenfähigkeiten wieder neu zu entdecken. Es gibt aber auch andere Gründe für einen Unterstützungsbedarf in diesem Bereich. Wenn wir älter werden, werden wir langsamer, die Beckenbodenmuskulatur lässt nach und unsere Beine tragen uns nicht mehr so schnell oder sicher zur Toilette. Auch an Demenz erkrankte Menschen können Schwierigkeiten mit dem Toilettengang haben: Sie können sich vielleicht nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal auf der Toilette waren, oder merken zu spät, wann die Blase geleert werden muss. Selbst ohne größere organische Schäden, z. B. durch eine Prostataoperation, können ältere Menschen deshalb in ihrer Ausscheidungsautonomie eingeschränkt sein und unter Inkontinenz leiden.

Wie soll mit uns umgegangen werden, wenn wir im Alter unseren Harndrang nicht mehr vollständig kontrollieren können? Um zu verhindern, dass die Hose regelmäßig nass wird, greifen besonders Betreuungseinrichtungen leider schnell dauerhaft zu Windeln. Aus Personal- und Zeitmangel nehmen sie Senioren und Seniorinnen damit einen Teil ihrer Autonomie.

Toilettentraining im Alter

Stattdessen könnten viele ältere Menschen von Toilettentraining profitieren: Auch mit 99 ist es noch nicht zu spät, wieder von den Windeln weg- und zur Toilette hinzukommen! Beim Toilettentraining für Menschen mit Einschränkungen gibt es zwei bekannte Herangehensweisen:

  1. Bei der ersten Variante hilft eine Begleitperson dem älteren Menschen alle zwei Stunden auf die Toilette. Diese Intervalle können dann schrittweise auf vier Stunden erhöht werden. Dabei gilt es natürlich zu erklären, wie die ältere Person trotz ihrer Einschränkungen rechtzeitig die Toilette erreichen und sie ohne Schmerzen (am Knie etc.) benutzen kann.
  2. Bei der zweiten Variante notiert man, wann getrunken wurde und Harnabgang stattfindet (Miktionsprotokoll). Wird das Protokoll ausgewertet, liefert es Hinweise, wann die Person die Toilette vorsorglich besuchen sollte. Schritt für Schritt können dann wiederum die Zeiten erhöht werden, um dem älteren Menschen Vertrauen in seine Blasenmuskulatur und in seine Fähigkeiten zurückzugeben.

Beide Varianten haben in verschiedenen Situationen und je nach Ursache der Inkontinenz ihre Berechtigung. Gemeinsam ist ihnen auch, dass der persönliche Kontakt, Zuspruch, die positive Interaktion und Übungen für die Beckenbodenmuskeln eine große Rolle spielen.

Zum Weiterlesen: Seel, M. & Hurling, E. (2005). Die Pflege des Menschen im Alter: Ressourcenorientierte Unterstützung bei den AEDL. Hannover: Brigitte Kunz Verlag.

Der Wunsch nach Autonomie bei sehr jungen und sehr alten Menschen

Wie soll also mit mir umgegangen werden, wenn ich alt bin und der Gang zur Toilette nicht mehr so gut klappt? Ich möchte nicht, dass Pflegekräfte wie selbstverständlich sagen: „Frau Schmidt hat ständig nasse Hosen. Anscheinend ist sie ab jetzt nicht mehr in der Lage, die Toilette zu benutzen.“ Ich möchte nicht Tag und Nacht Windeln tragen müssen! Ich möchte all die Nachteile von Windeln (unbequem, wunde Haut, Gerüche, Müll, Kosten) so lange es geht vermeiden.

Stattdessen wünsche ich mir, dass die Politik Rahmenbedingungen setzt, damit Fachkräfte sich gemeinsam mit mir Gedanken machen können, wie ich meine Autonomie wiedererlangen kann. Und du?

Von alleine (wieder) windelfrei und trocken werden?

Den Wunsch, (wieder) selbstständig zu werden, teilen wir mit unseren Kindern. Werden manche Kinder ganz ohne äußeres Zutun schlagartig trocken, bedeutet Trockenwerden für die meisten Kinder einen längeren Weg mit kleineren Unfällen und Rückschlägen. Nicht selten kommt es so auch zu Frustmomenten und von ihnen als beschämend empfundenen Situationen.

Auf diesem Weg müssen wir sie nicht alleinlassen. Im Gegenteil: Wir können ihnen aktiv Hilfe und Unterstützung zukommen lassen, damit sie immer seltener Windeln benötigen. Dass wir unsere Kinder auf ihrer Reise zur Windelfreiheit unterstützen können und sollten, belegen verschiedene Studien. Ob man mit 6, 18 oder 34 Monaten mit einem sanften Töpfchentraining beginnt – die individuelle Begleitung verhilft Kindern unter 3 Jahren schneller zu ihrer Ausscheidungsautonomie und beugt Blasenkontrollstörungen vor (siehe „Gesundheitliche Vorteile Teilzeit-Windelfrei“).

Mit der richtigen Methode ist das auch gar nicht so schwer. Wie viele andere Mütter und Väter erlebe ich täglich, dass Kinder liebevolle, geduldige, auf ihre Persönlichkeit abgestimmte und motivierende Hilfestellungen hin zu mehr Autonomie gerne annehmen. Sie lieben wie wir das Gefühl von frischer, trockener Unterwäsche!

Was für Senioren und Menschen mit besonderen Einschränkungen gilt, trifft also auch auf die Kleinsten zu: Eine sanfte und respektbasierte Unterstützung verhilft zu mehr Autonomie und einem gesünderen, glücklicheren Leben. Was sonst könnten wir uns für unsere Kinder und uns selbst wünschen?!

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