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Wenn Windelfrei wirklich nicht funktioniert: 9 Windelfrei-Probleme

Oh je, Abhalten und Windelfrei klingen so toll, du willst das Beste für dein Kind, aber es will einfach nicht funktionieren?

  • Du erkennst keine Signale.
  • Du ziehst deinem Baby keine Windeln und keine Hosen an, aber das ist einfach zu kalt!
  • Euer Boden ist konstant nass.
  • Dein Baby hat einen Windelfrei-Abhaltestreik.
  • Du fühlst dich von Windelfrei gestresst und möchtest aufgeben.
  • Und mehr!

So war das auch bei mir und meinem ersten Kind. Windelfrei hat mich gestresst und selten ist etwas im Töpfchen gelandet.

Deswegen habe ich Lini Lindmayer um ein Gespräch gebeten. Lini ist Mutter von sieben Kindern und lebt in Österreich. Sie hat das, was sie gerne macht, zu ihrem Beruf gemacht: Sie ist Autorin, Bloggerin, Tanzpädagogin, Doula, Familienbegleiterin und IBCLC-Stillberaterin in Ausbildung.

In ersten Interview erfährst du viel Über die Grundlagen der natürlichen Säuglingspflege - kurz Windelfrei genannt. Lies es unbedingt vorher!

Und hier im zweiten Teil des Interviews reden wir spezielle darüber, was Eltern tun können, wenn Windelfrei einfach nicht funktioniert.

Probleme mit Windelfrei - Lini Lindmayer

1. Mein Baby ist windelfrei und nackt, aber ihm ist kalt.

Julia: Die Autorin von „Es geht auch ohne Windeln“, Ingrid Bauer, beschreibt die ersten Wochen mit ihrem neugeborenen Sohn so: „Die meiste Zeit lagen sie nackt im Bett, haben gestillt und gekuschelt. Kleidung ist auch nur so eine unnötige Erfindung. Babys brauchen viel Hautkontakt, um glücklich zu sein.“ Also probieren viele Eltern Windelfrei ohne Kleidung oben und unten.

Lini: Ich habe schon von einigen Seiten gehört, dass bei dem oben erwähnten Buch der Eindruck entsteht, man dürfe keine Kleidung verwenden. Wichtig ist doch, dass man sich wohlfühlt, und bei Temperaturen jenseits der Gemütlichkeitsgrenze braucht es einfach die passende Kleidung. Sowohl für Groß als auch für Klein.

2. Ich erkenne keine Signale und Zeichen meines Babys.

Julia: Von allen Möglichkeiten mitzubekommen, wann ein Baby muss (Signale, Rhythmus, Timing, Intuition), werden die Signale als am wichtigsten dargestellt. Was macht man, wenn man keine mitbekommt und das Baby einfach sein kleines oder großes Geschäft erledigt?

Lini: Es geht nicht nur um die Signale des Babys. Windelfrei ist ein Zusammenspiel zwischen Elterninitiative und Babysignalen. Ich erlebe oft, dass Eltern meinen, man müsse zum einen das Baby unter Beobachtung halten und zum anderen irgendwelche Signale finden. Zuverlässiger ist es, auf das Bauchgefühl zu achten und dann erst an Signale zu denken.

Julia: Wie geht man damit um, wenn die Babys mobil werden und einfach keine Signale mehr geben? Ist dir das auch passiert?

Lini: Babys zeigen uns, was sie brauchen. Was ihnen aber noch schwerfällt, ist, mehrere Bedürfnisse gleichzeitig zu kommunizieren (das beginnt erst im Alter von fünf Jahren!). Sind sie ins Spielen vertieft, kann es vorkommen, dass sie auch nichts zeigen. Mein Rat an Eltern lautet immer, sich nicht zu sehr auf irgendwelche Signale zu fixieren, sondern mehr aufs Bauchgefühl zu achten. Das klappt besser und zuverlässiger.

Würde ich ständig auf irgendwelche Signale lauern, hätte ich wahrscheinlich zig nasse Hosen und würde mich gar nicht mehr raustrauen.

Wenn ein Signal kommt, dann reagiere ich darauf, wenn mein Bauchgefühl sich meldet, dann darauf.

3. Mein Kind ist in einem Windelfrei-Abhaltestreik.

Julia: Was rätst du Eltern, deren Babys gerade einen Abhaltestreik haben, also gar nicht mehr aufs Töpfchen wollen?

Das passiert ja meistens zwischen 9 und 14 Monaten. Ich persönlich glaube ja, dass das ein guter Zeitpunkt ist, endgültig Tschüss zu allen Back-ups zu sagen. Die Kinder sind verwirrt, mal Windel, mal keine Windel, mal aufs Klo, mal nicht. Sie sind genervt. Wie siehst du das?

Lini: Ich mag das Wort Streik nicht. Kinder streiken für mich nicht und trotzen auch nicht. Sie sind auf dem Weg zur Selbstständigkeit und zeigen uns mit ihrem Nein, dass sie etwas anderes brauchen und wollen – manchmal wissen sie nur selbst noch nicht so recht, was das ist und wie sie das erreichen können.

Ändern wir als Eltern die Sichtweise auf das Nein des Kindes und bewegen uns weg von der Idee, dass sich das Kind gegen uns wehrt und streikt, bewirkt das oft schon, dass sich etwas verändert. Denn indem sich das Kind gegen das Abhalten wehrt, macht es eigentlich genau einen Schritt in jene Richtung, die wir von ihm sehen wollen – es selbst zu machen. In dem Augenblick ist es halt noch nicht der „passende“ Ort, aber der kommt auch noch.

Mit den Back-ups stimme ich dir voll und ganz zu. Allerdings gilt das für mich schon vom Babyalter an. Back-ups geben zwar den Eltern vielleicht eine vermeintliche Sicherheit, verwirren und verunsichern aber langfristig gesehen.

Mehr zum Thema Backups kannst du im ersten Interview lesen.

4. Das kleine und große Geschäft landen komplett auf dem Boden.

Julia: Was hältst du von dem Konzept „ständig unten ohne und alles geht auf den Boden“?

In vielen Windelfrei-Foren und -Gruppen wird es befürwortet, sein Kind einfach unten ohne zu lassen. Die Kinder signalisieren nicht und machen einfach auf den Boden. Ist das gut? Was kann man tun?

Lini: Ich halte sehr wenig davon. Das ist für mich auch nicht Windelfrei oder EC. Da fehlt für mich eine aktive Reaktion der Eltern. Die Eltern zeigen keine Initiative, agieren nicht und sie erwarten zu viel vom Baby. Ein sehr verbreitetes Phänomen übrigens in allen Bereichen des Lebens mit Kindern.

Ein Kind muss sich an den Eltern orientieren können und sie müssen ihm diese Orientierung geben. Nicht umgekehrt. Sobald Eltern aktiv werden, wird sich der Umstand auch ändern.

5. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich Rhythmus und Timing verwende und mein Baby nach der Uhr aufs Töpfchen setze.

Julia: Ist es okay, sein Baby nach Rhythmus/Timing abzuhalten, oder ist das verwerflich? Zum Beispiel wenn man weiß, dass das Kind immer direkt nach dem Aufwachen muss und dann ziemlich genau nach einer Stunde?

Lini: Es gibt hier keine Maßstäbe oder Richtlinien und das ist vielleicht genau das schwer Vorstellbare daran. Wen es nicht stresst, der kann natürlich sein Baby nach der Uhr abhalten.

Wichtig ist dabei halt, nicht zu sehr auf etwas fixiert zu sein. Das kann leicht in Druck, Stress und Frust enden.

Was ich absolut nicht unterstreichen und befürworten kann, sind Zeitangaben, die man auf so manchen Windelfrei-Seiten findet. Wo Eltern dann lesen können, dass Neugeborene beispielsweise alle 10 Minuten ausscheiden.

Das mag vielleicht als Anhaltspunkt gedacht sein und den Eltern auch so erscheinen, bringt aber wenig, da es zahlreiche Neugeborene gibt, die nicht alle 10 Minuten ausscheiden. Halten die Eltern dann – weil es ja die Angabe ist – ihr Baby alle 10 Minuten übers Töpfchen und es kommt nichts, sind sie logischerweise verwirrt. Macht das Baby dann 5 Minuten später, sind sie frustriert.

Abgesehen davon kann die Zeitspanne zwischen den einzelnen Ausscheidungen ja sehr stark variieren und ist immer abhängig von Tageszeit, Jahreszeit, Nahrungsaufnahme. Weil Babys eben so individuell sind, sollte man sich hier nicht an irgendwelche Zeitangaben halten, sondern einfach auf das eigene Baby achten und herausfinden, wann es macht.

6. Mein Baby muss wirklich oft Pipi, manchmal alle 10 Minuten!

Julia: Manche Babys machen aber wirklich alle 10 bis 15 Minuten Pipi, zum Beispiel mein Sohn im ersten Lebenshalbjahr. Das ist doch unglaublich stressig, das Baby alle 10 Minuten von sich zu halten, wenn es muss. Dann könnte man ja gleich in dieser Position bleiben.

Oder meinst du, dass, wenn man sein Baby ein paar Wochen lang konsequent abhält, es auch länger anhalten können wird? Alle wie viel Minuten haben denn deine Neugeborenen Pipi gemacht?

Lini: Es gibt Babys, die nach dem Stillen vielleicht ein- oder zweimal hintereinander in 10 Minuten Abstand ausscheiden müssen – bei den ganz Kleinen. Aber auch das nicht den ganzen Tag lang und ständig. Oft hängt es aber auch damit zusammen, dass die Babys nicht alles auf einmal machen, man selbst nicht lang genug wartet.

Von Baby zu Baby ist es zudem sehr unterschiedlich. Unser Sohn hat beispielsweise öfters gemacht als die Jüngste jetzt. Sie kann sehr lange zurückhalten, hat aber auch eine enorme Körperspannung.

Aus der Praxis kann ich aber sagen, dass die 10-Minuten-Abstände oftmals eher mit der Angst der Eltern in Zusammenhang stehen und sie öfters drüber halten als nötig, das Baby das Angebot annimmt, was die Eltern bestätigt, und nach 10 Minuten geht das Spiel von vorne los.

7. Die Hosen meines Babys werden oft nass.

Julia: Die meisten Eltern nervt es irgendwann, wenn ständig die Kleidung, der Teppich, das Sofa oder der Boden nass/dreckig ist. Hat dich das nie gestört? Oder ist dir das so selten passiert?

Lini: Es gibt – wie generell bei der Windelfreiheit – keine Allgemeinanweisung oder Richtlinie dafür, wie man sich zu verhalten hat, wenn dieses oder jenes passiert. Und das ist, glaube ich, auch das Schwierigste für uns, wo wir gewohnt sind, für alles eine Richtlinie zu bekommen. Abgesehen davon ist nicht jede Situation gleich.

Wichtig ist, dass die Reaktion möglichst neutral bleibt bzw. zumindest die Wut nicht auf das Kind übertragen wird.

Wenn es wirklich „ständig“ danebengeht, dann müssen sich die Eltern die Frage stellen, ob sie sich nicht vielleicht zu sehr unter Druck setzen. Statt nach dem Warum zu fragen und irgendwelche Lösungswege zu suchen. Druck ist der häufigste Grund für nasse Hosen. Dieser ständige Anspruch, alles richtig und gut zu machen.

Dass „immer alles dreckig und nass ist“, gehört zudem zu den Windelfrei-Vorurteilen, die gerne und oft kursieren. Fakt ist, dass es nasse Hosen ab und zu gibt – mal mehr, mal weniger. Fakt ist auch, dass es ab und an Babys gibt, bei denen auch ab und zu Stuhl in die Hose geht. Prinzipiell aber hat man mit einem Baby ohne Windel nicht mehr oder weniger Wäsche als generell mit Kindern. Das gehört dazu.

Ich sage gerne, dass man mit Kindern einfach Wäsche und auch nasse Hosen hat. Entweder man hat sie im Säuglingsalter, wenn man keine Windeln verwendet, oder im Kleinkindalter, wenn das Kind dann sauber werden soll.

Bei uns wurden die nassen Hosen mit jedem Kind weniger, einfach weil wir lockerer und gelassener waren. Dass es nachts danebengeht, kommt so selten vor, dass ich mich gar nicht erinnern kann, wann es das letzte Mal geschehen ist und bei welchem Kind es war.

8. Windelfrei mit Kleinkind: Mein Kind ist kein Baby mehr, können wir trotzdem mit Windelfrei beginnen?

Julia: Was kannst du Eltern raten, die erst relativ spät zu Windelfrei kommen? Wie sollen sie vorgehen?

Lini: Auch mit älteren Kindern kann kommuniziert werden, je jünger sie sind, desto leichter klappt es auch wieder. Prinzipiell verläuft es ähnlich wie bei der Windelfreiheit. Windel mal weg und einfach ausprobieren, zu verschiedenen Zeiten anbieten und so weiter.

9. Windelfrei frustriert mich, ich möchte aufgeben!

Julia: Was rätst du Windelfrei-frustrierten Eltern, die aufgeben wollen und total fertig mit den Nerven sind?

Lini: Das kommt natürlich immer auf die individuelle Situation an. Zunächst einmal versuche ich aber, ihnen zu erklären, dass es hier nicht um einen Wettbewerb geht und sie nicht die schlechteren Eltern sind, weil sie Windeln verwenden. Und ich gehe mit ihnen auf die Suche nach all den Momenten, wo sie die Bedürfnisse des Kindes erkennen.

Fühlen sich Eltern wirklich überfordert und gestresst und sind mit den Nerven am Ende, dann rate ich ihnen, einfach mal eine Pause einzulegen. Zu wickeln, loszulassen und dann einfach weiter zu schauen, was sie wollen und was für sie passt.

Wenn sie nach einem Tag oder ein paar Wochen oder auch ein paar Monaten das Gefühl haben, dass es ihnen jetzt leichter fallen würde, dann einfach wieder losstarten. Die Kommunikation geht nicht verloren. Sie kann lediglich blockiert sein durch zu viele Ansprüche und Ängste.

Julia: Also ist Windelfrei mit Windeln doch irgendwie okay?

Lini: Okay ist das, womit man sich wohlfühlt. Es gibt für mich keine strengen Grenzen. Die Kommunikation mit dem Baby ist kein Dogma. Trotzdem finde ich es wichtig, immer wieder zu betonen, dass Windelfrei mit Windeln oftmals die Sache unnötig verkompliziert, weil es die Eltern verunsichert.

Die 5 besten Tipps, wenn Windelfrei nicht funktioniert

  1. Achte nicht stur auf irgendwelche Signale und Zeichen.
  2. Das Internet kennt nicht den perfekten Abstand zwischen den Klogängen deines Babys.
  3. Dein Baby muss nicht ständig nackig sein, zieh ihm eine Hose an (aber Windeln können eure Kommunikation stören).
  4. Verwende ruhig auch Mullwindeln anstatt eines Töpfchens, wenn es bequemer ist.
  5. Mach dir keinen Druck und keinen Stress! Es geht nicht darum, zu 100 % jedes Geschäft im Töpfchen zu erwischen.

    Hier kommst du zum ersten Teil des Windelfrei-Interviews, das du unbedingt lesen solltest.

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